Globalisierung: Merkmale, Akteure, Ursachen
KlausurthemaGrundlage für alles andere. Typischer Klausureinstieg: „Erläutern Sie Ursachen und Merkmale …“
Begriff & Dimensionen
- 4 Dimensionen (Themenplan Q3): ökonomisch, gesellschaftlich, politisch, ökologisch → genau diese Perspektiven auch bei Chancen/Risiken nutzen
- Einstieg im Unterricht: Bildauswahl „Welches Bild zeigt den internationalen Handel am besten?“ (Schuhe, Steg, Brücke, Auto, Erde, Armdrücken, Tiger, Achterbahn, Pusteblume …) → Globalisierung als Chance, Wettkampf, Risiko, Vernetzung
UrsachenWichtig
1. Technologische Entwicklung
- Wichtigste Voraussetzung und Triebkraft: neue Technologien in Kommunikation, Information, Transport
- Internet = Sinnbild der Globalisierung; ohne Internet keine Finanzmärkte mit sekundenschnellen Geldverschiebungen
- Datennetze, Satellitenkommunikation, computergestützte Logistik, moderne Verkehrsmittel → Unternehmen können Produktion und Absatz räumlich trennen, günstigste Standorte wählen, weltweit koordinieren
2. Sinkende Transportkosten
- Transportkosten für Güter und Informationen sind schneller gesunken als die Produktionskosten → internationaler Austausch lohnt sich
- Hängen eng an den Energiepreisen
- Externe Kosten (Umwelt, Ressourcen) nicht eingepreist; mit „ökologischer Wahrheit“ wäre die Globalisierung langsamer
- Software, Datenbanken, Dienstleistungen in Sekunden über Datenleitungen
3. Liberalisierung des Welthandels
- Abbau politischer Handelshemmnisse; Leitbild weltweite Marktwirtschaft („neoliberal“)
- Abbau von Zöllen, Mengenbeschränkungen, nicht-tarifären Hemmnissen im Rahmen von WTO und regionalen Wirtschaftsräumen (EU)
- Zunehmende Integration der Entwicklungsländer
- Ende des Kalten Krieges: Ostblock wird marktwirtschaftlich; China tritt in den Welthandel ein und öffnet sich für Güter und Kapital
- Deregulierung (= weniger staatliche Eingriffe) und Privatisierung (Telekom, Energie, Verkehr, Banken, Versicherungen) → mehr Wettbewerb, mehr Arbeitsteilung
MerkmaleWichtig
Welthandel
- Index 1950 = 100: Exporte 2020 ≈ 3.984, Weltwirtschaftsleistung nur ≈ 1.107 → Exporte seit 1950 preisbereinigt mehr als 39-fach; Einbrüche: Finanzkrise 2009, Corona 2020
- Strukturwandel: mehr Handel mit branchengleichen Fertigwaren (VW nach Frankreich, Renault nach Deutschland = intraindustrieller Handel → Krugman) und Handel innerhalb multinationaler Konzerne
- 75 % der Weltexporte aus Industrieländern, die nur 15 % der Weltbevölkerung stellen
- Entwicklungsländer: geringer Anteil, u. a. weil Industrieländer ihre Landwirtschaft mit Zöllen und Subventionen abschotten (Agrarprodukte = Hauptexport der EL)
- Triade: EU – ASEAN-Raum/Ostasien (Japan, Tigerstaaten, China) – USA
- Handelsströme 2021 (Mrd. $): innerhalb Asien/Ozeanien 6.140, innerhalb Europa 5.529, Nordamerika 686, Afrika 71; 2023: Europa 5.909, Asien 6.329
- Waren des Welthandels 2016: Maschinen/Fahrzeuge vorn, dann EDV/Telekom, Nahrungsmittel, Energierohstoffe
Direktinvestitionen (DI)
- Wachsen seit Längerem schneller als Güterexporte; fließen v. a. zwischen Industrieländern, meist durch multinationale Unternehmen
- Bestand deutscher DI Ende 2021: 1.506 Mrd. € – USA 319, Niederlande 216, Luxemburg 208 (steuerlich, Finanzindustrie), China 96, GB 74
- Deutsche Unternehmen im Ausland: ca. 36.200 Unternehmen, 7 Mio. Beschäftigte; ausländische in D: ca. 16.350, 3 Mio. Beschäftigte
- Größte Anteile: Automobil, Chemie; Osteuropa (CZ, HU, PL) relativ gering
| Motiv | Inhalt |
|---|---|
| Beschaffung | Rohstoffe und Vorleistungen in die eigene Wertschöpfungskette einbinden |
| Absatz | Nähe zu Kunden, Produktion/Vertrieb im Auslandsmarkt |
| Umgehung von Handelsbeschränkungen | Zölle, Mengenbeschränkungen, Wechselkursrisiken (z. B. Abwertung des US-$) umgehen |
| Kosten | günstigere Lohnkosten, Steuern; Verlagerung einzelner Produktionsstufen |
AkteureWichtig
Multinationale Unternehmen (Global Player) = Hauptakteure
- Größtes Unternehmen 2022: Walmart (USA) mit 573 Mrd. $ Umsatz ≈ BIP Belgiens; VW auf Platz 8; von den Top 25: 10 USA, 7 China
- Erschließen größere Absatzmärkte und Kostenvorteile durch Standortwahl: niedrige Arbeits-, Rohstoff-, Energie-, Transportkosten und Steuern; wenig Umwelt-, Arbeits-, Sozialauflagen
- Zerlegen Produkte in Einzelteile → globale Wertschöpfungskette; können Länder gegeneinander ausspielen → weniger abhängig von einzelnen Regierungen
- Bestreiten ca. 2/3 des Welthandels, davon die Hälfte konzernintern (Mutter ↔ Töchter)
Positive Effekte
- bessere internationale Arbeitsteilung
- Verbreitung von Know-how
- Ausweitung des Welthandels → Fortschritt, Wohlstand
Bedenken
- Machtkonzentration, politische Einflussnahme
- Steuerflucht, Wettbewerbsverzerrung
- zu wenig öffentliche Kontrolle (keine internationale Wettbewerbsbehörde)
- Lohn-, Sozial- und Umweltdumping
Staaten / Regierungen
- Setzen Handelspolitik (Freihandel ↔ Protektionismus, siehe Ast 5), konkurrieren im Standortwettbewerb
- Verlieren Spielraum: „doppelte Wählerschaft“ (Bürger + ausländische Investoren), siehe Ast 2
Internationale Organisationen (IWF, WTO, Weltbank)
- Treiben Freihandel und Öffnung der Finanz- und Gütermärkte voran, auch in Entwicklungsländern
- Kritik: dienen vorrangig Interessen der Industrieländer, reformbedürftig
- Stiglitz („Die Schatten der Globalisierung“, 2002): keine Weltregierung; wenige Institutionen und Akteure (Finanz-, Wirtschafts-, Handelsminister der IL) bestimmen, Betroffene haben kein Mitspracherecht
- WTO 2005 Hongkong: Exportsubventionen für Agrar bis 2013 abschaffen; EU und USA schotten Agrarmärkte trotzdem ab (Karikatur „Zollschranken“ Wolf/Schaf)
- „Agrar-Wahnsinn“ (Spiegel 2017): EU zahlt 55 Mrd. €/Jahr Agrarsubventionen ≈ 40 % des EU-Budgets (GAP seit 1957); Förderung nach Fläche → 80 % der kleinsten Höfe bekommen nur 25 % der Direktzahlungen; Butterberge verschwunden, aber Großbetriebe profitieren
- Details zu den Organisationen: Ast 6 (Hintergrund)
Weitere AkteureHintergrund
- G7/G8 (seit 1975), G20 (seit 1999), OECD, BIZ, Financial Stability Board, NGOs
Fallbeispiel: Ein iPhone geht um die Welt
Begriffe aus der Aufgabe: Spezialisierung, Kostenvorteil, Rohstoffe, Know-how, Lohnkosten
| Station | Land | Warum hier? | Chance | Herausforderung |
|---|---|---|---|---|
| Design & Entwicklung | USA (Cupertino) | Know-how, Kapital, Silicon Valley | ~46 % des Verkaufspreises bleiben bei Apple | kaum eigene Fertigung, abhängig vom Netzwerk |
| Rohstoffabbau | DR Kongo | Kobalt: ~76 % der Weltreserven → Geologie entscheidet | Exporteinnahmen, Jobs im Bergbau | Wertschöpfung im Ausland, Kinderarbeit |
| Chipproduktion | Taiwan (TSMC) | jahrzehntelange Spezialisierung, einziger Hersteller | hohe Wertschöpfung | geopolitisches Risiko (China) |
| Montage 1 | China (Zhengzhou) | niedrige Löhne, riesige Kapazität; Foxconn mobilisiert 200.000 Arbeiter | Millionen Jobs | niedrige Marge, harte Arbeit, Verlagerungsrisiko |
| Montage 2 | Indien | noch niedrigere Löhne, politisch stabiler, weniger China-Abhängigkeit | 100.000 neue Jobs | 71 % der Bauteile weiter aus China |
| Konsum/Regulierung | Deutschland/EU | EU setzt globale Standards (Recht auf Reparatur) | günstige Produkte, Verbraucherrechte | Verantwortung ausgelagert |
| Elektroschrott | Ghana (Accra) | schwache Kontrollen, billige Arbeit | informelles Einkommen | Gesundheit, Umwelt, kein Rechtsschutz |
Warum kein „iPhone made in USA“? (Trump-Zölle)
- Hochkomplexe Lieferketten seit den 1990ern in China; neue Fabriken = Jahre + Milliarden → hohe Opportunitätskosten
- Preis würde sich etwa verdreifachen (1.000 $ → über 3.000 $, Analyst Dan Ives: „Ding der Unmöglichkeit“) → Absatz bricht ein
- Rohstoffe aus 79 Ländern, ca. 200 Schmelz- und Raffineriebetriebe
- Tim Cook: nicht niedrige Löhne, sondern spezialisierte Fertigungskompetenz entscheidet; Fachkräfte und Werkzeugingenieure fehlen in den USA
- Apple reagiert mit Verlagerung nach Indien/Vietnam und symbolischen Zusagen (500 Mrd. $ Investitionen, KI-Rechenzentrum Houston) statt US-Produktion
- Gefahr einer protektionistischen Spirale; kurzfristig profitiert nur der Staat (Zolleinnahmen), langfristig Ineffizienz
Folgen der Globalisierung
KlausurthemaWohlstand, Beschäftigung, Standortwettbewerb. Immer nach Gewinnern und Verlierern fragen.
Wohlstand: Zuwächse und VerlusteWichtig
- Theorie: Arbeitsteilung → bessere Güterversorgung, Wohlstandssteigerung (siehe Außenhandelstheorien)
- Realität: Wohlstandszuwächse sind ungleich verteilt, teils Verluste in einzelnen Ländern und Bevölkerungsgruppen
UNDP-Berichte zur menschlichen Entwicklung
- 1999: Reichtum für die, die Vorteile nutzen; ca. 85 Länder schlechter als vor 10 Jahren; Forschung richtet sich nach Gewinn statt Bedarf (Kosmetik vor Malaria-Impfstoff) → mehr politische Steuerung nötig
- 2003: Spaltung in Gewinner (Ost-/Südostasien, Pazifik, Teile Lateinamerikas) und Verlierer (große Teile Afrikas); 46 Staaten ärmer als 1990; in China/Indien ca. 200 Mio. weniger absolut Arme (<1 $/Tag)
- 2010: Lebenserwartung in Entwicklungsländern 1970–2010 von 59 auf 70 Jahre; Alphabetisierung +61 %, Primarschulbesuch +26 %; Schere arm/reich größer (Pro-Kopf-Einkommen IL +2,3 %, EL +1,5 %); Finanzkrise: 64 Mio. zusätzlich unter 1,25 $; mehrdimensionale Armut: 1,7 Mrd. Menschen
- 2018: Menschen leben länger, besser gebildet; aber große Ungleichheit (u. a. Frauen/Männer), Klimawandel bedroht Fortschritte → nachhaltige Produktions- und Konsummuster nötig
Elefantengrafik (Milanović)Hintergrund
- 1988–2008: Elefantenform: Buckel = ärmere 2/3 der Welt (v. a. Asien) mit starkem Einkommenswachstum; Tal (Perzentil ~75–90) = Unter-/Mittelschicht der reichen Länder stagniert; Rüssel = reichste 1 % gewinnt stark
- 2008–2018: fast gerade fallende Linie: Ärmste profitieren am meisten, Reichste kaum (Finanzkrise)
- China hat inzwischen mehr Menschen unter den reichsten 5 % der Welt als Deutschland; Reiche fast zur Hälfte aus USA und China
- Mittelschicht reicher Länder verliert relative Position → Unzufriedenheit; erklärt Teil der Rivalität USA–China
Globalisierung und BeschäftigungWichtig
- Mehr Wettbewerb auf Güter- und Kapitalmärkten → Strukturwandel, auch auf Arbeitsmärkten
- Integration von Schwellen-/Entwicklungsländern erhöht weltweites Arbeitskräfteangebot → arbeitsintensive Produktion wandert dorthin (Faktorproportionentheorie)
- Industrieländer: Abbau von Jobs v. a. für gering Qualifizierte, Lohndruck, Druck auf Sozialleistungen (Lohnnebenkosten)
- Aber: Verlagerung kann Jobs sichern (z. B. Autoteile im Niedriglohnland → Endprodukt in D billiger → mehr Export)
- Auch qualifizierte Arbeit unter Konkurrenz (indischer Informatiker arbeitet per Internet für US-/EU-Firmen)
- Fazit Buch: Einkommens- und Jobverluste für gering Qualifizierte in IL; Beschäftigungs- und Einkommenszuwachs in Niedriglohnländern
Outsourcing: Vor- und NachteileWichtig
Vorteile
- Kostensenkung (Lohn-, Lohnnebenkosten)
- Fachwissen externer Anbieter; gegen Fachkräftemangel
- Effizienz, Konzentration auf Kernkompetenz → Qualität
- Fixkosten werden variable Kosten; keine eigenen Investitionen in Anlagen
- Risikoübertragung auf Dienstleister
- ggf. Preissenkungen, höhere Wettbewerbsfähigkeit, mehr Wohlfahrt
- Zugang zu Absatzmärkten, neue Exportchancen
- Beschäftigung und Einkommen in LDCs (theoretisch)
- Menge und Tempo steigen
Nachteile
- keine Nähe zur Produktion: Abstimmung, Qualitätskontrolle schwierig
- Abhängigkeit von Lieferanten und Politik
- Know-how-Verlust, Massenproduktion verschwindet aus D
- Jobabbau im Inland, Lohndruck, Druck auf Sozialleistungen
- Risiken: Insolvenz, Lieferprobleme, Datenschutz, Markenrechte, Wechselkurs
- Race to the bottom: schlechtere soziale Bedingungen
- Kommunikation, Kultur; Imageschäden
- Regierung durch „anlagesuchendes Kapital“ eingeschränkt
- lange Transportwege: Zeit, Umwelt
StandortwettbewerbWichtig
Kosten des Standorts
- Lohn- und Lohnnebenkosten
- Arbeitszeit, Flexibilität des Arbeitsmarktes
- Steuer- und Abgabenbelastung
- Genehmigungsverfahren und Dauer
- sozial- und umweltrechtliche Vorschriften
Leistungen des Standorts
- politische und soziale Stabilität (Streikhäufigkeit)
- öffentliche Infrastruktur
- Rechtssicherheit, leistungsfähige Verwaltung
- Qualität von Schulen und Universitäten
- Produktivität und Leistungsbereitschaft
- Harte Standortfaktoren: objektiv messbar (Steuern, Abgaben, Rohstoffe, Kundennähe, Infrastruktur)
- Weiche Standortfaktoren: subjektiv, schwer messbar (Lebensqualität, Image, Freizeit, Mentalität)
- Arbeitskosten je Stunde 2022: Luxemburg 50,70 €, Dänemark 46,80, Deutschland 39,50, EU-Ø 30,50, Polen 12,50, Bulgarien 8,20 €
- Vereinheitlichung von Steuer-/Sozialsystemen deshalb weder sinnvoll noch nötig
Fallbeispiel Italien: Gewinner oder Verlierer?
| Norden | Zentrum | Süden + Inseln | |
|---|---|---|---|
| BIP/Kopf | 30.600–40.000 € (Lombardei 41.500) | ähnlich Norden (Latium 36.500) | 18.000–24.000 € (Kalabrien 18.500) |
| Arbeitslosenquote | ~6 % | ~8 % | 16–18 % (Sizilien 20,5) |
| Jugendarbeitslosigkeit | 10–20 % | 18–24 % | 27–35 % |
| Sektoren | 67 % Dienstl., 2 % Agrar | 76 % Dienstl., 22 % Industrie | 67 % Dienstl., 25 % Ind., 8 % Agrar |
| Wanderungssaldo | meist positiv | gemischt | negativ (Abwanderung) |
- EU-Ø: BIP/Kopf 34.000 €, ALQ 6,2 %
- Ursachen: Industrialisierung im Norden nach 1860 (Nähe zu Kohlerevieren und Märkten, Auslandskapital, Verkehrsnetz); Süden: periphere Lage, keine Rohstoffe/Energie, Landwirtschaft, Mafia
- Anbindung: Brenner, Gotthard; Häfen Triest (>50 Mio. t), Genua, La Spezia, Gioia Tauro (3,53 Mio. TEU); Lage an der Mittelmeerroute Asien–Amerika
- Wichtigster Handelspartner: Deutschland (15,7 % der Importe, 12,9 % der Exporte), dann Frankreich
- Fazit: Norden = Gewinner, Süden eher Verlierer → Fragmentierung innerhalb eines Landes (Scholz)
(De-)Globalisierung, geostrategische Spaltung & Standort Deutschland
KlausurthemaChancen und Risiken für Deutschland aus vier Perspektiven: ökonomisch, ökologisch, gesellschaftlich, wirtschaftspolitisch. Aktuelle Artikel als Belege nutzen.
Geostrategische Spaltung: AusgangslageWichtig
- Gefahr: Spaltung der Welt in einen westlichen und einen östlichen Block; Prognose De-Globalisierung
- Deutschland: doppelte Abhängigkeit von China (Absatzmarkt + Rohstoffe/Vorprodukte); Spannungen mit China und Russland (Lieferketten, Kritik an deren Politik)
- Ziel: Ende des Multilateralismus verhindern. Leitfrage: Wie sinnvoll ist eine Umgestaltung der deutschen Außenhandelspolitik?
- Reshoring = Rückverlagerung ins Heimatland · Nearshoring = in nahe Länder · Friendshoring = in befreundete/wertegleiche Länder
Ökonomische PerspektiveWichtig
Risiken
- China als Partner der Exportnation D fällt weg → Absatzmärkte weg, Einbrüche im Außenhandel, kein effizienter Handel mehr
- Zugang zu Rohstoffen (z. B. Seltene Erden) erschwert → Produkte teurer, Inflationsdruck, Wettbewerbsfähigkeit sinkt
- Traditionsbranchen geschwächt (Automobil)
- weniger internationale Investitionen
- Gewinne und Wachstum sinken, Wohlstand schwer zu halten (magisches Viereck)
- Terms of Trade verschlechtern sich
- Theorie: Verlust komparativer Kostenvorteile, Faktorproportionen-Vorteile und Skaleneffekte (Krugman) → höhere Stückkosten
- weniger Wettbewerbsdruck → weniger Preis- und Innovationsdruck (Nachteil für Verbraucher)
Chancen
- Druck, resilienter zu werden; Innovations- und Anpassungsdruck, neue Strategien
- Re-/Near-/Friendshoring: Arbeitsplätze im Inland, krisensicherer
- Versorgungs- und Produktionssicherheit (z. B. Medikamente)
- Wachstum bestimmter Branchen im Inland, Fabriken und Know-how zurück
- weniger Wettbewerbsdruck = kurzfristig Vorteil für Unternehmen
- ggf. schnellere politische Entscheidungen (aber langsamere Infrastruktur)
- Ziel bleibt: Beziehung zu China so lange wie möglich halten
Wirtschaftspolitische PerspektiveWichtig
- Blockbildung verstärkt Protektionismus; weniger Kooperation; erinnert an den Kalten Krieg (1947–91: USA vs. Sowjetunion): Drohungen, Spionage, Wettrüsten; Konflikte schwerer lösbar
- Multilaterale Organisationen (WTO, IWF, UNO) verlieren Bedeutung → LDCs abhängiger von Einzelmächten, Instabilität, Finanzkrisen, schwierige Kreditvergabe, Staatspleiten, weniger Standards, Zölle, Handelskriege
- Bindung an demokratische Staaten, aber auch Umgang mit Partnern ohne gleiche Werte (z. B. Katar)
- Subventionen für lokale Unternehmen; Lobbyismus könnte zunehmen
- Handlungsfähigkeit der EU gefragt (Kriterium Schnelligkeit eher verletzt)
- Zielkonflikte: Sicherheit vs. Effizienz; Sicherheit vs. wirtschaftliche Interessen
- Maßnahmen: Lieferketten diversifizieren, Multilateralismus stärken
- Fördermittel sinken zugunsten von Aufrüstung
Ökologische PerspektiveWichtig
Risiken
- höherer Energiebedarf durch Parallelstrukturen, Ineffizienz
- weniger globale Umweltabkommen, Koordination, Standards
- grüne Investitionen verlangsamt
- Klimaschutz als wirtschaftlicher Nachteil gesehen
- heimische Rohstoffe umweltschädlich gewinnen (Fracking), Rückkehr zu alten Energieformen
- Generationengerechtigkeit leidet (fossile Brennstoffe)
- China, USA größte CO₂-Emittenten → weniger Fokus auf Klima
- neue Industrieflächen im dicht besiedelten D
- Umweltauflagen in D bremsen Direktinvestitionen
Chancen
- Regionalisierung: weniger Transporte, kürzere Lieferketten → Entlastung der Umwelt
- ggf. neue Unternehmen, Technologien, Güter
- (Kehrseite: höhere Preise, weniger Vielfalt, schwerer Zugang zu günstigen Ressourcen)
Gesellschaftliche PerspektiveWichtig
Risiken
- lokale Produktion → höhere Preise, Inflation (in der Umstellung), Arbeitslosigkeit; trifft Einkommensschwache → Ungleichheit, Bedarfsgerechtigkeit
- Populismus, Extremismus, Rassismus, „Wir gegen die“; Stellvertreterkriege, umstrittene Waffenlieferungen
- Spaltung (Klimapolitik, neue Handelspartner)
- Ende von Förderprogrammen (z. B. für chinesische Studierende); Abkehr von wertebasierter Außenhandelspolitik
- Zukunftsangst, Machtlosigkeit, Politikverdrossenheit
- weniger Arbeitsmigration → Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Abwanderung
Chancen
- Resilienz gegenüber Krisen, krisenfeste Jobs → Stabilisierung
- neue Perspektiven (Infrastruktur, Jobs)
- stärkerer Zusammenhalt in der EU
- offene Frage: Spaltung oder Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls?
Artikel „Standort in Gefahr“ (Spiegel, 09.07.2026, Tomaso Duso)Wichtig
Duso = Chef der Monopolkommission, DIW, TU Berlin
- Nicht die Unternehmen haben ein Problem, sondern der Standort: Konzerne wachsen im Ausland. Anteil Inlandsproduktion im verarbeitenden Gewerbe 57 % (2008) → 40 % (2024); bei gleichem Inlandswachstum 128 Mrd. € mehr Wertschöpfung
- Energieintensive Branchen: Produktion ↓, Beschäftigung konstant → Produktivität sinkt; Hightech, Pharma, Elektronik wachsen
- Ursachen: Bürokratie, Arbeitsmarktprobleme, Energiekosten (teils staatlich: Steuern, Netzentgelte, ineffiziente Infrastruktur), Unsicherheit durch Politikstreit, Risikoaversion der Unternehmen („trauen sich nichts mehr“)
- Tankrabatt nach dem Irankrieg: falsch; Teil landete bei der Mineralölindustrie; besser gezielte Zuschüsse („Wir lindern Symptome“)
- Doppelte Transformation: Dekarbonisierung + Digitalisierung; trifft v. a. den Mittelstand
- Einseitige Abhängigkeiten: physische Vorprodukte von China, digitale Infrastruktur von den USA; Unabhängigkeit kostet Geld
- China: Subventionen dort produktiv, wo sie Wettbewerb befeuerten
- Gegen Schutzzölle und Subventionswettlauf: „konservieren ineffiziente Strukturen und nehmen Innovationsdruck“
- Aktive Industriepolitik, aber: Außenhandels-, Wettbewerbs-, Energie- und Klimapolitik zusammendenken · Märkte arbeiten lassen · neue Industrien fördern statt alte schützen · europäisch koordinieren · experimentieren, evaluieren, stoppen
- Staat: Strompreis senken, Bürokratie abbauen, Innovation und Binnenmarkt fördern
- KI: bei Infrastruktur, Cloud, Chips dominieren US-Anbieter; deutsche Stärke = Anwendungen (Industrie-Know-how, Daten); 2025 nutzen nur die Hälfte der Großunternehmen und ein Drittel der KMU KI („organisatorische Trägheit“)
- EU: Digital Markets Act durchsetzen, auch auf KI/Cloud; KI-Verordnung nicht vorab regulieren, Moratorium für KMU; Staat als Ankerkunde; keine Staats-Cloud gegen Amazon/Microsoft, eher Nischen wie ASML
- Rüstung: über 100 Mrd. €/Jahr; 10 % für Dual-Use-Innovation (KI, Drohnen); Direktvergaben schlecht, europäisch beschaffen
Preis-Leistungs-Verhältnis Standort DeutschlandWichtig
Leistungen
- politische/soziale Stabilität (Demokratie, Rechtsstaat, Gewaltenteilung), wenig Streik
- hoch qualifizierte Fachkräfte, Hochschulkooperation, duales Ausbildungssystem
- gute Infrastruktur (Schiene, Flughäfen, Flüsse, Häfen)
- zentrale Lage in Europa, Binnenmarkt
- hohe Produktivität und Leistungsbereitschaft
- starker, innovativer Mittelstand
- Image: Qualität, verlässliche Lieferketten (weicher Faktor)
- hohe Lebenserwartung
Kosten
- Störungen der Stabilität: Scheitern der Ampel, Erstarken der Ränder, Unzufriedenheit; 6 Jahre Stagnation
- Abhängigkeit bei Öl/Gas, teurer Strom, hohe Energiekosten
- Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Emigration
- Bürokratie (Genehmigungen, Gründung, Dokumentationspflichten)
- Steuern: KSt 15 % + Soli 5,5 % auf KSt + Gewerbesteuer ~14 % → effektiv ~28,5 %
- sehr hohe Arbeitskosten, sinkende Produktivität, starke Gewerkschaften
- hohe Immobilienpreise; Rückstand bei KI-Infrastruktur/Cloud
- Folge: wenig ausländische Direktinvestitionen
Artikel „Die Nadelöhre der Weltmeere“ (FAZ, 08.07.2026)
- Irankrieg / Blockade der Straße von Hormus; früher: Suezkanal-Blockade durch Ever Given (März 2021, 6 Tage), Huthi-Angriffe im Roten Meer (Ende 2023), Panamakanal als Konflikt unter Trump
- Schifffahrt konzentriert sich auf wenige Routen und Großhäfen (Größenvorteile); 80 % des Seehandels über indirekte Routen
- Weltweit 80 % des Handelsvolumens per Schiff, Deutschland ~50 %; Autos zu >99 % per Schiff, Smartphones per Luftfracht (hohe Wertdichte)
- Anteil deutscher Importe 2023: Suez 9,8 %, Bab al-Mandab 9,7 %, Malakka 8,9 %, Taiwan 7,2 %, Hormus nur 0,4 % (Öl 6,2 %, LNG 8,7 %)
- Textilien: 70 % der Importe ≥ 1/5 über Suez; Rohglimmer 97,2 % und Phosphinate 73,5 % über Suez
- Exporte: Suez 10 %, Bab al-Mandab 9,6 %, Malakka 8,7 %, Taiwan 7,2 %; Roheisen und bestimmte Arzneimittel 85 %, Maschinen 65 % suezabhängig
- Suez umfahrbar (Kap der Guten Hoffnung, teurer); Hormus ohne Alternative
- Wirkung auch indirekt über Weltmarktpreise → Diversifizierung der Herkunftsländer reicht allein nicht; evidenzbasierte Analyse nötig für resiliente Lieferketten
Artikel „WTO warnt vor Blockbildung“ (taz, 16.09.2026)
- Ohne WTO-Regeln: Exporte bis 2050 fast −27 %, Weltwirtschaft fast −7 %; mehr multilaterale Kooperation: +2,9 %
- Fragmentierung trifft LDCs am stärksten: −16,5 % Wirtschaftsleistung, reiche Länder −4,5 %
- LDCs < 1 % des Welthandels, abhängig von billigen Rohstoffexporten; Handelskosten 50 % über denen reicher Staaten (Standards, Zertifizierungskosten)
- WTO seit 25 Jahren blockiert: EL kritisieren Agrarsubventionen reicher Länder; USA/EU werfen China Industriesubventionen vor; USA blockieren neue Richter für die Streitschlichtung
- Ausweg: plurilaterale Abkommen; Reform kaum vorangekommen
- Meistbegünstigung (MFN) gilt noch für 72 % des Welthandels (Anfang 2025: 80 %) → Folge der US-Zölle und bilateraler Abkommen
- WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala: „Wir alle haben etwas zu verlieren“
Exportorientierung Deutschlands (Abiarbeit Nr. 3)
Chancen
- Zugang zu großen Absatzmärkten
- sichert Wachstum und Arbeitsplätze
- Arbeitsteilung, globale Wertschöpfungsketten
- komparative Vorteile, Spezialisierung
- Druck zu ständiger technologischer Weiterentwicklung
Risiken
- Abhängigkeit von Auslandsnachfrage und Weltkonjunktur
- Krisen in Absatzmärkten treffen D stark
- Protektionismus, Zölle, Handelsbarrieren
- „Brain-Drain“: Forschung wandert ab
- D: überproportional großer Exportsektor, hoher Offenheitsgrad; fast jeder 4. Arbeitsplatz exportabhängig
- Einflussfaktoren Export: Produktportfolio/Alleinstellungsmerkmal, politische Entwicklung, Präferenzen der Abnehmer, Lohnstückkosten, Wechselkurs
- Möglichkeiten der Außenhandelspolitik: Multilateralismus/WTO stärken, freie Märkte und Zollabbau, Handelspartner diversifizieren, Schutz vor unfairem Wettbewerb durch die EU, Investitionsabkommen (Rechtsschutz für KMU im Ausland), ggf. Exportsubventionen/Importbeschränkungen
- In Antworten Außenhandelstheorien einbauen (absolute/komparative Vorteile, Faktorproportionen, Krugman)
Themenfelder: Globalisierung als Herausforderung für DHintergrund
- demokratische Entwicklung · Sicherheitspolitik/Friedenssicherung · Flucht und Vertreibung · Klimaschutz · globale Konkurrenz · Wirtschaftsräume · Stabilisierung/Regulierung der Finanzmärkte · Digitalisierung
Außenhandelstheorien
Wichtig · im DetailSchwerpunkt der Klausur. Rechnen können (Opportunitätskosten, Terms of Trade), Kernaussagen erklären, Kritik nennen, Theorien vergleichen.
Warum betreiben Staaten Handel? + Zeitstrahl
Natürliche Gründe
- beschränkte/keine Verfügbarkeit von Produktionsfaktoren und Rohstoffen
- Mangel (zeitweise oder dauerhaft) → Import, Export zur Finanzierung
- Überschuss → durch Export abbauen (EU-„Butterberge“)
- Spezialisierung → Kostensenkung durch hohe Kapazitätsauslastung
Kosten-/Preisgründe
- Wohlstandssteigerung durch unterschiedliche Produktionskosten, entstehend durch:
- 1) Umwelt, Boden, Rohstoffe, Energiequellen
- 2) Arbeitskraft, Wissen, Leistungsbereitschaft
- 3) Kapitalausstattung, Investitionsbedingungen
- → Antwort geben die klassischen Theorien
| Jahr | Theorie | Kernidee |
|---|---|---|
| 1600–1800 | Merkantilismus | Export fördern, Import hemmen (Handel als Nullsummenspiel) |
| 1776 | Adam Smith | absolute Kostenvorteile |
| 1817 | David Ricardo | komparative Kostenvorteile |
| 1933 | Heckscher & Ohlin | Faktorproportionentheorie |
| 1953 | Leontief | Paradoxon (Widerlegung H-O für USA 1947) |
| 1966 | Raymond Vernon | Produktlebenszyklus |
| 1979 | Paul Krugman | Neue Außenhandelstheorie, intraindustrieller Handel |
| 1980 | Michael E. Porter | Diamanten-Modell, nationale Wettbewerbsvorteile |
Absolute Kostenvorteile (Adam Smith, 1776)Wichtig
- Handel ist kein Nullsummenspiel (gegen Merkantilismus); Vorteile auch ohne Exportüberschuss, weil die Produktivität steigt
- Zitat Familienvater: Der Schneider macht seine Schuhe nicht selbst, er kauft sie beim Schuhmacher. Was für eine Familie vernünftig ist, ist für ein Königreich nicht töricht.
| Textilien | Wein | autark (1 T + 1 W) | |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 90 h | 120 h | 210 h |
| England | 100 h | 80 h | 180 h |
Opportunitätskosten: D Textil 90/120 = 0,75 W, D Wein 1,33 T; E Textil 100/80 = 1,25 W, E Wein 0,8 T
Buchbeispiel Stahl/Weizen (100 Arbeitseinheiten je Land)
| nur Stahl | nur Weizen | AE pro ME Stahl | AE pro ME Weizen | |
|---|---|---|---|---|
| Ausland | 12 ME | 24 ME | 8,33 | 4,17 |
| Inland | 16 ME | 10 ME | 6,25 | 10 |
- Ausland: Weizenproduktivität 140 % höher (Bodenqualität); Inland: Stahlproduktivität 33⅓ % höher
- Autarkie: Ausland 4 S + 16 W, Inland 8 S + 5 W → gesamt 12 S + 21 W
- Spezialisierung: Inland 16 S, Ausland 24 W → 16 S + 24 W (mehr von beidem)
- Darstellung als Produktionsmöglichkeitskurve (Gerade zwischen den Achsenpunkten; Punkt A Ausland, B Inland)
Komparative Kostenvorteile (David Ricardo, 1817)Wichtig
- Beispiel Schriftsteller: Er ist auch der beste Steuerberater der Stadt, beauftragt trotzdem einen Berater, um mehr Zeit für das lukrativere Schreiben zu haben.
- Ursprung: Ricardos Beispiel Portugal/England, Tuch und Wein
| Textilien | Wein | |
|---|---|---|
| Deutschland | 90 h · 90/80 = 1,13 W | 80 h · 80/90 = 0,88 T |
| England | 100 h · 100/120 = 0,83 W | 120 h · 120/100 = 1,2 T |
Autarkie: D 170 h + E 220 h = 390 h. Spezialisierung: D 2 W = 160 h, E 2 T = 200 h → 360 h → 30 h Ersparnis (Gesamtwohlfahrt steigt).
Buchbeispiel Stahl/Weizen (Ausland mit absolutem Vorteil bei beiden)
| nur Stahl | nur Weizen | OK 1 ME Stahl | OK 1 ME Weizen | |
|---|---|---|---|---|
| Ausland | 18 ME | 24 ME | 24/18 = 1,33 W | 18/24 = 0,75 S |
| Inland | 16 ME | 10 ME | 10/16 = 0,625 W | 16/10 = 1,6 S |
- Ausland: Vorsprung bei Weizen 140 %, bei Stahl nur 12,5 % → relativer Vorteil bei Weizen
- Autarkie: Ausland 6 S + 16 W, Inland 8 S + 5 W → 14 S + 21 W
- Spezialisierung: Inland 16 S, Ausland 24 W → 16 S + 24 W
Achtung: Hier wird mit Mengen (ME pro 100 AE) gerechnet, nicht mit Stunden pro ME. Dann ist OK = Verzicht auf anderes Gut ÷ Mehrproduktion.
Terms of Trade (ToT)Wichtig
ToT = Importmenge ÷ Exportmenge · in der Statistik: Exportpreisindex ÷ Importpreisindex × 100
- Verbesserung: Exportpreise steigen stärker als Importpreise → mehr Importe pro Export
- Verschlechterung: Importpreise (Rohstoffe, Energie) steigen stärker oder Exportpreise fallen (Preisverfall bei Rohstoffen → Ursache der Schuldenkrise vieler Entwicklungsländer)
- Handel lohnt sich für ein Land nur, wenn ToT > eigene Opportunitätskosten des Exportguts
- Für beide Länder: ToT muss zwischen den Opportunitätskosten beider Länder (in Autarkie) liegen; sonst gewinnt nur eines, das andere verliert oder bleibt gleich
- ToT bestimmen also, ob Handel zustande kommt und wie viel gehandelt wird; abhängig u. a. von der Marktmacht
Kritik an der Theorie der komparativen KostenvorteileWichtig
Unrealistische Modellannahmen (Prämissen)
- nur 2 Länder, 2 Güter
- vollständige Konkurrenz auf Güter- und Faktormärkten
- nur ein Produktionsfaktor (Arbeit) → Arbeitswertlehre
- Vollbeschäftigung, auch nach Aufnahme des Handels
- Produktionsfaktoren nur national mobil, international immobil
- keine Transportkosten; Naturaltausch (kein Geld)
Kapitalmobilität → absolute Vorteile zählen
- Geldkapital ist heute international sehr mobil (sekundenschnell); Investoren gehen dorthin, wo absolut am günstigsten produziert wird
- Folge: Standortwettbewerb, internationale Kostensenkungswettläufe; Extremfall: Land ohne absolute Vorteile verliert die gesamte Produktion
Transport- und soziale Kosten fehlen
- energieintensive Transportkosten plus soziale Kosten (Infrastruktur, Unfälle, Umwelt) würden einen erheblichen Teil der Vorteile aufzehren
Keine Erklärung für den Handel in der EU
- D handelt vor allem mit Ländern ähnlicher Produktivität (F, NL, IT, GB, USA)
- Export und Import in denselben Kategorien (Fahrzeuge, Maschinen, Chemie) = intrasektoraler Handel, nicht auf Spezialisierung beruhend → besser erklärt durch Krugman
Historische Erfahrungen (Kolonialzeit)
- Spezialisierung schafft gefährliche wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten
- England forderte Freihandel, schützte aber selbst seine Textilindustrie gegen indische Textilien
- Indien: „De-Industrialisierung“, nur noch Rohstoffe (Baumwolle, Jute), Weiterverarbeitung in England; Anbau von Nutzpflanzen statt Nahrung → Nahrungsimporte, Hungersnöte bis heute
Faktorproportionentheorie (Heckscher & Ohlin, 1933)Wichtig
- Reichlicher Faktor = relativ günstiger Faktorpreis → Kostenvorteil
- Es zählt das Verhältnis der Faktoren im Land, nicht die absolute Menge
- Bevölkerungsreiche Länder: niedrige Löhne → arbeitsintensive Exporte; kapitalreiche Industrieländer: hohe Löhne, niedrige Zinsen → kapitalintensive Exporte
- Der knappe, teure Faktor wird sparsam eingesetzt
- Faktor Arbeit zentral für internationale Arbeitsteilung; später um Zollabkommen u. a. erweitert
- Werk: Ohlin, „Interregional and International Trade“ (1933)
Arbeitsintensive Güter
- Textilien, Landwirtschaft/Ernte, Handwerk, Gastronomie, Pflege, Support, Softwareentwicklung
- viel Handarbeit, persönliche Beratung
- hohe Personalkosten, teils Niedriglohnsektor
Kapitalintensive Güter
- Fernseher, Pharma, Schwerindustrie, Energie, Automobil, Flugzeug-/Zugbau, KI-Modelle, Finanzbranche
- viele Maschinen, Fabriken, hohe Automatisierung
- hohe Fixkosten und Anfangsinvestitionen, wenige Arbeitskräfte pro Stück
- Bezug Entwicklungsländer: Rohstofflieferanten (fehlendes Know-how, Kapital, Technologie); Struktur stammt aus Kolonialzeit (Spanier verboten Seiden-/Tuchproduktion in Mexiko; Zerstörung indischer Textilindustrie)
- Widerspruch durch Empirie: Leontief-Paradoxon (siehe Ast 6)
Neue Außenhandelstheorie (Paul Krugman, 1979)Wichtig
- Beispiel: VW nach Frankreich, Renault nach Deutschland; deutscher Export und Import von Autos, Maschinen, Chemie
- Schließt die Lücke, die Ricardo und Heckscher-Ohlin beim EU-Handel lassen
- Bezug Deglobalisierung: Wegfall großer Märkte (China) → Verlust von Skaleneffekten → höhere Stückkosten, Wettbewerbsnachteil
Ergänzung (Standardwissen, nicht aus den Unterlagen): Produktdifferenzierung (jede Marke etwas anders) und Vorliebe der Konsumenten für Vielfalt → Handel erhöht die Auswahl. Wer früh große Stückzahlen erreicht, hat einen Vorsprung (First-Mover). Nobelpreis 2008.
Produktlebenszyklus-Theorie (Raymond Vernon, 1966)
| Phase | Ort | Merkmal |
|---|---|---|
| Innovation (Einführung) | hoch entwickeltes Industrieland | technologie- und wissensintensiv, Inlandsmarkt |
| Ausreifung | Innovator exportiert; andere IL imitieren | Wachstum, Exporte beginnen; Imitatoren verdrängen Innovator durch Transport-/Lohnvorteile |
| Sättigung (Standardisierung) | Entwicklungsländer | Massenproduktion, geringe Anforderungen an Personal, Arbeit überwiegt; EL exportieren ins Ursprungsland |
- IL spezialisieren sich auf innovative Produkte; ihre Importe sind Produkte, die sie früher selbst gemacht haben
- Neben Löhnen zählen Steuern, politische Stabilität usw.
Diamanten-Modell (Michael E. Porter, 1980)
4 Hauptelemente
- Faktorausstattung: Menge/Qualität der Faktoren, Qualifikation, Infrastruktur
- Nachfragebedingungen: Marktgröße, Anspruchsniveau
- verwandte/unterstützende Branchen: Cluster
- Unternehmensstrategie, Struktur, Konkurrenz
2 Nebenbedingungen
- Zufall: Entdeckungen, Technologiesprünge, Ölkrisen, Kriege
- Staat: kann Chancen fördern, Vorteile aber nicht allein schaffen
Theorien vergleichen und bewerten
| Theorie | Grund für Handel | erklärt gut | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Smith | absolute Kostenunterschiede | Handel bei klaren Vorteilen | kein Handel, wenn ein Land alles besser kann |
| Ricardo | relative Kosten (Opportunitätskosten) | Handel auch bei absoluter Unterlegenheit | Prämissen, Kapitalmobilität, EU-Handel |
| Heckscher-Ohlin | Faktorausstattung | Handel Industrie- ↔ Entwicklungsländer | Leontief-Paradoxon; Arbeit nicht homogen |
| Vernon | Phase des Produkts | Wandel der Standorte über Zeit | nicht alle Produkte durchlaufen Zyklus |
| Krugman | Skaleneffekte, Vielfalt | Handel zwischen ähnlichen Ländern (EU) | weniger zu Rohstoff-/Nord-Süd-Handel |
| Porter | Wettbewerbsvorteile von Branchen | Cluster, Branchenerfolg | eher Unternehmens- als Länderebene |
- Entwicklung: vom Land (Smith/Ricardo) über Faktoren (H-O) zu Produkt (Vernon), Markt/Unternehmen (Krugman) und Branche (Porter); immer realistischer, aber komplexer
- Wann lohnt die Verlagerung einzelner Produktionsschritte? Wenn der Schritt den im Zielland reichlichen (billigen) Faktor nutzt (H-O), standardisiert ist (Vernon) oder Skaleneffekte entstehen (Krugman)
Handelshemmnisse & Protektionismus
WichtigGründe, Formen, Folgen. Zolldiagramm zeichnen und erklären können, marktkonform vs. marktkonträr begründen.
Begriff
- Gegenteil: Freihandel. Klassiker betonen Vorteile des Freihandels; Befürworter von Schutz: junge Industrien, kleinbäuerliche Landwirtschaft schützen. Kritiker: langer Schutz hemmt Dynamik
FormenWichtig
Tarifäre Handelshemmnisse (direkt an Preisen/Zöllen)
- Zölle: Abgaben auf eingeführte Waren → Importe teurer, Preisvorteil für heimische Anbieter
- Mindestpreise und Abschöpfungen (in der EU verbreitet); gelten für Import- und Inlandsgut (laut WTO nicht-tarifär, marktkonträr)
- Subventionen: Zuschüsse, günstige Kredite, Steuervorteile; als Exportsubventionen gezielt für den Export
- Steuern
Fallen sofort auf, stehen in Zolltarifen.
Nicht-tarifäre Handelshemmnisse („versteckter Protektionismus“)
- nicht in Listen/Zolltarifen, oft intransparent, schwer erfassbar
- Importquoten/Kontingente: feste Einfuhrmengen pro Zeitraum (meist Kalenderjahr)
- Exportbeschränkungen (bei Militärgütern die Regel)
- technische/landesspezifische Normen, Produktstandards, Umweltauflagen, Kennzeichnungspflichten, Qualitätsprüfungen → Anpassungskosten
- Zollformalitäten, komplizierte Verwaltung, unterschiedliche Rechtsvorschriften
Weitere Instrumente
- Vetorecht bei Direktinvestitionen/Übernahmen (v. a. kritische Infrastruktur)
- Währungspolitik: Abwertung (mehr Geldmenge, Niedrigzins, Inflation zulassen, Devisenverkauf) → Exporte billiger; aber Rohstoff- und Vorproduktimporte teurer; verändert die Terms of Trade
- Beschaffungspolitik: öffentliche Aufträge an Inländer („Made in Europe“)
- Bilaterale Verträge, Freihandelszonen, Friendshoring: Partner rein, andere raus → abgeschottete Binnenmärkte
- Sanktionen
- Preisdumping: kurzfristig Verluste, um Konkurrenz zu verdrängen; staatliches Dumping = reine Exportsubventionen oder Währungsmanipulation (kompetitive Abwertung)
GründeWichtig
- Schutz nicht wettbewerbsfähiger Branchen (Landwirtschaft, Bergbau, Teile der Industrie) → Arbeitsplätze sichern, Strukturwandel verlangsamen, v. a. in Krisen
- Schutz junger Zukunftsbranchen (Pioniervorteile) → Erziehungszoll als vorübergehende Maßnahme, z. B. Indien
- Strategische Bereiche: Energie, Ernährung, Rüstung, digitale Infrastruktur → weniger Auslandsabhängigkeit
- Staatseinnahmen durch Zölle
- Druckmittel in der Außenpolitik, Zugeständnisse erzwingen
- Reaktion auf unfairen Wettbewerb: Strafzölle gegen Dumping oder ausländische Subventionen
- Exportverbote für Waffen und wichtige Rohstoffe
- Umwelt-, Sozial-, Verbraucherschutz → soziale und ökologische Standards
- Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern sichern
Folgen + Wirkung eines ImportzollsWichtig
| ohne Zoll | mit Zoll | Veränderung | |
|---|---|---|---|
| Konsumentenrente | A+B+C+D+E+F | A+B | −(C+D+E+F) |
| Produzentenrente | G | C+G | +C |
| Staatseinnahmen | – | E | +E |
| Gesamtrente | A+B+C+D+E+F+G | A+B+C+E+G | −(D+F) |
- Weltpreis liegt unter dem Autarkie-Gleichgewicht → nur deshalb wird importiert
- Zoll hebt den Inlandspreis: Inlandsproduktion steigt (A₁ → A₂), Konsum sinkt (N₁ → N₂), Importmenge sinkt; Markt rückt näher an Autarkie
- Gewinner: inländische Produzenten, Staat. Verlierer: inländische Käufer
- Zoll = Schutzinstrument und Einnahmequelle (Fläche E)
Folgen allgemein
- Wohlfahrtsverlust, weil Effizienzgewinne der Arbeitsteilung verhindert werden
- Gegenmaßnahmen → Handelskonflikt/Handelskrieg, Zölle verstärken sich gegenseitig (protektionistische Spirale)
- höhere Preise, weniger Auswahl für Verbraucher; Exporteure verlieren Absatzmärkte
- ineffiziente Strukturen werden konserviert, weniger Innovationsdruck (Duso)
- Beispiel US-Zölle: Apple verlagert nach Indien statt in die USA; MFN-Anteil sinkt von 80 % auf 72 %
- Agrarprotektionismus der IL (EU-GAP, USA, Kanada, Norwegen, Schweiz) schadet Entwicklungsländern: Agrarhilfen OECD 2012 über 200 Mrd. €; Spitzenzölle bis 350 %; Zölle auf Agrarexporte der EL im Schnitt 10-mal höher als innerhalb der OECD → EL errichten Gegenzölle = Teufelskreis
Marktkonform oder marktkonträr?Wichtig
- Zölle = marktkonform: wirken als Abgabe über den Preis; Markt bleibt offen, jeder entscheidet frei, wie viel er importiert (je nach Preiselastizität). Trotzdem Wohlfahrtsverlust
- Zölle werden marktkonträr, wenn sie so hoch sind, dass Importe ganz verhindert werden; ebenso starke Exportsubventionen und willkürliche Diskriminierung einzelner Länder (Sonderzölle)
- Kontingente/Importquoten = marktkonträr: Menge wird festgesetzt, Preis kann nicht ausgleichen
- Höchst- und Mindestpreise = marktkonträr: Gleichgewichtspreis gesetzlich verboten → dauerhaftes Ungleichgewicht
Aufgaben aus dem Unterricht (Übungsfragen)
Hintergrundwissen
HintergrundLaut Lehrerin nur als Hintergrund relevant: verstehen und als Beleg einbauen können, nicht auswendig lernen.
ZahlungsbilanzHintergrund
| Teilbilanz | Inhalt | D 2022 (Mrd. €) |
|---|---|---|
| I. Leistungsbilanz | 1. Handelsbilanz (Waren) · 2. Dienstleistungsbilanz (Reisen, Transport) · 3. Primäreinkommen (Löhne, Zinsen, Dividenden) · 4. Sekundäreinkommen / laufende Übertragungen (EU-Beiträge, Überweisungen von Gastarbeitern, Entwicklungshilfe) | 162,0 (Waren +111,9; DL −31,0; Primär +150,0; Sekundär −68,8) |
| II. Vermögensübertragungen | einmalig, z. B. Schuldenerlass, Erbschaften | −18,6 |
| III. Kapitalbilanz | Direktinvestitionen, Wertpapiere, Finanzderivate, übriger Kapitalverkehr (Kredite) | 223,3 |
| IV. Restposten | statistisch nicht aufgliederbar (Schmuggel, Kapitalflucht) | 84,3 |
| V. Devisenbilanz | Veränderung der Währungsreserven | 4,4 |
- Bilanzgleichung (Bundesbank): I + II = III + IV + V
- D: aktive Handelsbilanz; Dienstleistungsbilanz meist negativ (Auslandsreisen); Übertragungen negativ
- Kapitalimport = Zunahme der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland; Kapitalexport = Zunahme der Forderungen
- Außenbeitrag (Exporte − Importe von Waren und DL): 2020: 191,7 · 2021: 191,5 · 2022: 75,9 Mrd. €
Lösungen der Übung (wahr/falsch)
- Teilbilanzen müssen nicht null sein
- Tourist gibt 2.000 € in Italien aus → verschlechtert die Leistungsbilanz (Dienstleistungsimport)
- Französin kauft deutsche Aktien → Kapitalzufluss nach D (wahr)
- Ausländische Fabrik in D → Direktinvestition
- Schenkung ins Ausland → Leistungsbilanz/laufende Übertragungen, nicht Handelsbilanz
- Einmaliger Schuldenerlass → Vermögensübertragungen; Entwicklungshilfe (regelmäßig) → laufende Übertragungen
- Leistungsbilanzdefizit senkt nicht automatisch die Währungsreserven (auch Kredite möglich)
- Defizit = mehr Import als Export (Satz mit „mehr Export“ beschreibt Überschuss)
- Zinsen aus Auslandsdarlehen → Primäreinkommen (Leistungsbilanz), nicht Kapitalbilanz
- Zahlungsaufschub vom chinesischen Lieferanten → Verbindlichkeit des Importeurs
Außenhandel Deutschland in Zahlen
- Außenhandel = grenzüberschreitender Waren- und Dienstleistungsverkehr; vorteilhaft, wenn Güter im Inland fehlen oder anderswo günstiger herstellbar sind
- Wichtigste Lieferanten 2022: China 191,1 · Niederlande 123,0 · USA 91,7 Mrd. €
- Wichtigste Kunden 2022: USA 156,1 · Frankreich 116,1 · Niederlande 110,6 · China 106,8 Mrd. €
- Exporte 2021: 1.375 Mrd. € – Autos 210, Maschinen 195, Chemie 137, EDV/Elektronik 120
Theorie der globalen Fragmentierung (Fred Scholz)Hintergrund
| Kategorie | Beispiele | Rolle |
|---|---|---|
| Globale Orte (global cities) | Kommandozentralen der Wirtschaft, Hightech/Forschung/Service, fordistische Industrie | Gewinner, Schaltstellen; „Logos“ und „Brands“ |
| Globalisierte Orte | Hightech-Services, Auslagerungsindustrie, Billiglohn-Konsumgüter, Rohstoffe/Nahrungsmittel, Kinder-/Heimarbeit, Tourismusenklaven | Scheingewinner, abhängig von Entscheidungen der globalen Orte |
| Neue Peripherie | Staaten oder Teile davon, Überlebensraum der „Überflüssigen“ | Verlierer: Ausgrenzung, Abkopplung |
- Fragmentierung auch innerhalb von Städten: Manila (Geschäftszentrum + Slum), Johannesburg: Global City Afrikas (3,8 Mio. Einwohner, Infrastruktur, Uni Witwatersrand), aber informeller Sektor, Townships (Soweto), Apartheid-Folgen
- DI von Konzernen in EL stark gestiegen (Töchter hundertfach auf über 300.000), v. a. in Sonderwirtschaftszonen
- Kapital fließt zurück: Sportschuh (120–160 €) → 12 % bleiben im Land, 0,4 % Löhne; iPhone: Apple-Profit 58,4 %, chinesische Arbeiter 1,8 %
- Braindrain vs. Braingain (Rücküberweisungen, Rückkehr mit Know-how)
Leontief-Paradoxon (1953)Hintergrund
- Gute Ausbildung (Humankapital) → USA exportieren komplexe Güter, komparative Vorteile dort
- Andere Faktoren (Boden, Know-how) nicht berücksichtigt; Faktor Arbeit nicht homogen
- Protektionismus/Zollpolitik (Kalter Krieg) nicht im Modell
- starke US-Inlandsnachfrage nach kapitalintensiven Gütern
- weitere Erklärungen: Marktsysteme, Nachfragepräferenzen, Technologien, Marktunvollkommenheiten, Handelsbilanzungleichgewichte, Datenverzerrung
- 1947 = Nachkriegszeit, evtl. nicht repräsentativ
- Fazit: Handel komplexer als angenommen; Technik, Humankapital, nicht-tarifäre Hemmnisse wichtig; Leontief = Nobelpreis 1973
Global Economic Governance: WTO, IWF, WeltbankHintergrund
Gründung nach Bretton Woods 1944 als Lehre aus der Weltwirtschaftskrise 1929 (Protektionismus der Staaten) → freie, geordnete Weltwirtschaft. Global Governance = „Weltregieren ohne Weltregierung“. Proteste: „Battle of Seattle“ 1999, Genua 2001.
WTO (1995, Genf)
- Vorläufer GATT (1947 von 23 Ländern, in Kraft 1948; BRD 1950): multilateraler Vertrag, Prinzipien Meistbegünstigung, Verbot neuer Hemmnisse, Verbot mengenmäßiger Beschränkungen
- Uruguay-Runde 1986–93, Marrakesch 1994 → WTO als Dach: GATT (Waren), GATS (Dienstleistungen), TRIPs (geistiges Eigentum), TRIMs (Auslandsinvestitionen)
- Ziele: Liberalisierung, Abbau von Handelsbeschränkungen, Streitschlichtung (Sanktion = Strafzölle; wirken für große Länder stärker)
- 164 Mitglieder (2018); Konsensprinzip, jedes Land eine Stimme
- Prinzipien: Meistbegünstigung (Vorteil für einen = für alle), Reziprozität (Gegenseitigkeit), Nichtdiskriminierung (Inländerbehandlung)
- Doha-Runde seit 2005 stockt; NGOs fordern soziale und ökologische Mindeststandards
- Bilaterale Abkommen (CETA, TTIP) widersprechen der Gleichbehandlung; TTIP-Kritik: geheim, Unternehmensinteressen, Schiedsgerichte, Souveränitätsverlust, „Chlorhähnchen“
IWF (1944/45, Washington)
- Ziel: stabile Weltwährungsordnung; Kredite bei Zahlungsbilanzproblemen, verhindert Staatspleiten
- Devisenpool: Mitglieder zahlen Quote; Reservetranche jederzeit; weitere Tranchen à 25 % nur mit Auflagen (Konditionalität)
- Strukturanpassungsprogramme: Staatsausgaben kürzen, Privatisierung, Subventionsabbau, Deregulierung, Abwertung
- Kritik (Stiglitz): neoliberale Agenda, Sparprogramme verschärfen Krisen, Stimmrecht nach Kapitalanteil (Reform 2010 zugunsten China, Indien)
- Sonderziehungsrechte (1967): Kunstwährung aus Dollar, Euro, Yen, Pfund, seit 2016 Renminbi
Weltbank (1945/46, Washington)
- „Our Dream is a World Free of Poverty“; anfangs Wiederaufbau Europas, heute Entwicklungsländer
- langfristige Darlehen (15–20 Jahre), Mikrokredite, technische Hilfe, Bildung, Infrastruktur, Korruptionsprävention, Gesundheit (HIV)
- Weltbankgruppe: IBRD, IDA (1960, zinslose Kredite für ärmste Länder), IFC (1956, private Unternehmen), MIGA (1988), ICSID (1966)
- Kritik: Auflagen, ökologisch/sozial bedenkliche Großprojekte; Wandel zur Armutsbekämpfung
Weitere Gremien
- G7 (seit 1975; D, F, GB, IT, JP, CA, USA), G8 mit Russland 1998–2014
- G20 (seit 1999, Gipfel seit Finanzkrise 2009): über 90 % der Weltwirtschaftsleistung, 2/3 der Weltbevölkerung
- OECD (Industrieländer, Analysen und Empfehlungen), BIZ in Basel (Zentralbanken, Basler Vereinbarungen), Financial Stability Board (2009)